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Sonntag, 5. November 2017

Sei doch mal dankbar.

Guten Morgen/Mittag/Abend wann auch immer dieser Beitrag hochgeladen wird ich wünsche dir einen wunderschönen Sonntag.
Es ist Wochenende - im wahrsten Sinne des Wortes - das Ende des Wochenendes ist mit diesem Tag erreicht. & aus irgend einem Grund erfreut sich der heutige Tag keiner besonderen Beliebtheit. Dabei ist er selbst gar nicht mal so übel. Bekannt für Familienausflüge, viel Essen und einer kuscheligen Jogginghose zählt er zu meinen Favoriten! Jedoch gibt es ja den Montag der für viele Menschen einen dunklen Schatten über den Sonntag legt. Wieso? Nun ja ganz offensichtlich, weil du dein Leben nicht in Dankbarkeit lebst.


6:00 Uhr morgens. Das Licht geht an. Zeit um sich an das Licht zu gewöhnen haben wir nicht. Eine Waschschüssel steht bereit. Nachtkleidung aus. Feuchten Lappen ins Gesicht. Waschen. Wach werden. Anziehen. Funktionale Kleidung. Irgendwie muss das doch über den Kopf. Den Arm leicht verbiegen. Ok - fertig. Frühstück. Die Brote sind schon geschmiert. Noch einmal auf die Toilette? Zu zeitaufwendig - der Fahrer wartet bereits. Der tägliche Start in den Tag.

Dies ist ein kleiner Einblick in den Morgen einer Bewohnerin die ich vor vielen Jahren noch in meiner Ausbildung zur Pflegekraft betreut habe. Natürlich werde ich mit den kommenden Zeilen nicht all zu sehr ins Detail gehen. Schweigepflicht. Und eigentlich geht es auch gar nicht um diese Frau. Es geht um ihre Einstellung. Um ihren unglaublichen Drang das eigene Leben zu leben.

Ein paar Monate begleitete ich Anna ( Name wurde von mir geändert zwecks Datenschutz etc. ) & was soll ich sagen Anna hatte es nicht leicht. Durch eine dumme Situation die so keiner beabsichtigt hatte konnte Anna keine ihrer Extremitäten bewegen. Richtig gelesen. Anna war weder in der Lage Arme, Hände oder Beine zu bewegen. Sie war voll und ganz auf mich und andere Menschen angewiesen um ihren Alltag zu bewältigen. Sie wurde gewaschen, angezogen, frisiert. Sie wurde mittels Lifter in ihren Rollstuhl ( den sie dank moderner Technik selbst steuern konnte ) gesetzt. Ihr wurde essen angereicht etc.

Mit Sicherheit wirst du dir jetzt denken: " Oh man bevor ich so leben muss würde ich mich lieber erschießen." Ganz nebenbei angemerkt wäre Anna nicht einmal dazu in der Lage gewesen. Aber das ist ein anderes Thema.

So deine Gedanken. & anfangs konnte ich nicht glauben, dass Anna´s Gedanken nicht einmal im geringsten die Gleichen waren.

" Weißt du Kristin - ich habe zwei Möglichkeiten. Entweder ich jammere jeden Tag auf´s neue darüber wie unfair dieses Leben doch zu mir war oder ich lasse es richtig krachen. "

Ohja und Anna entschied sich ganz klar für Letzteres.
& eins kann ich euch sagen so einen Menschen habe ich nie wieder persönlich treffen dürfen.

Anna konnte in Prinzip also nichts. Und doch ermöglichte sie sich schlichtweg alles was SIE wollte. Sie hatte zwar keine Arme und Beine, die sie hätte benutzen können. Dafür hatte sie eine scharfe Zunge und einen tollen Sinn für Humor mit dem sie absolut jeden Menschen dazu bringen konnte etwas zu tun was ihr selbst half. Vielleicht denkst du ja, dass Anna sich den Großteil des Tages in ihrem Zimmer aufhielt. Aber du könntest überhaupt nicht mehr daneben liegen.
Anna stand jeden Morgen um 6 Uhr auf - stets mit guter Laune. Sie ließt sich fertig machen und versprühte währenddessen soviel Witz und Charme, dass selbst ich meine Müdigkeit schnell vergaß. Es wurde gefrühstückt und gearbeitet. ( Auf die Arbeit wird in dem Fall zwecks Datenschutzes nicht weiter eingegangen ) Sie kam nachhause. Aß und begab sich im Anschluss so gut wie nie in ihr Zimmer.
" So Kristin - noch einmal schnell mittels Liter auf die Toilette - dann muss ich aber los."
Denn Anna tat was sie sich vorgenommen hatte. Sie ließ es krachen.
Sie unternahm Dinge. Trag sich mit anderen. Fuhr shoppen. Ging ins Kino etc etc. Diese Liste könnte ich wirklich ewig weiterführen. Das erschreckenste an all dem für mich war, dass Anna ganz offenbar trotz Beeinträchtigung mehr aus ihrem Leben machte als ich.

" Meine Liebe wieso sollte ich fluchen oder jammern? Mir geht es doch gut! Ich kann atmen, sprechen, singen und meinen Körper so nach links und rechts werfen, das es beinahe so aussieht als könnte ich auch tanzen. Es hat mich noch soviel besser getroffen als manch anderen Menschen. Ich kann dir nur sagen, dass ich dankbar bin. Dankbar für jeden Tag. & dankbar für jeden Menschen der mir hilft ihn mit Dingen zu füllen, die dieses Leben für mich lebenswert machen. " 

Ich hoffe, dass du verstanden hast worauf ich mit diesem Text hinaus will.
& falls nicht lies ihn bitte noch einmal.

Nach dieser etwas längeren Einführung komme ich nun also zum eigentlichem Thema.
Dankbarkeit.
Verbunden damit möchte ich dir eine kleine Aufgabe stellen, die so kann ich es dir beinahe versprechen dein Leben zu einem Besserem machen wird.
Und das Beste ist, dass du für diese Übung keine kostspieligen Instrumente benötigst. Lediglich einen Stift und einen Zettel oder Notizbuch.

Keine Sorge ich möchte dich nicht verleiten deinen ersten Roman in angriff zu nehmen oder gar Gedichte zu verfassen.

Nehme dir ab sofort jeden Abend vor dem Schlafengehen ganz bewusst 10min Zeit um deinen Tag Revue passieren zu lassen. Denk an all jenes was dir heute widerfahren ist.
Hat dir etwa jemand die Tür der Straßenbahn aufgehalten?
Konntest du das Lächeln eines fremden wahrnehmen?
Hast du ein Kompliment bekommen?
Lob von deinem Chef oder Kollegen?
Konntest du einem anderem Menschen helfen?
etc.

Nichts davon sollst du aufschreiben - nur aktiv daran denken.

& nun schreib.
Jeden Abend.
Schreibe jeden Abend bevor du ins Bett gehst 10 Dinge auf für die du aus vollstem Herzen dankbar bist. Schaue danach nicht mehr auf dein Handy - habe es über Nacht sowieso am besten im Flugmodus. Schaue nicht mehr auf dein Handy und leg dich hin drum, dass deine letzten Gedanken an diesem Tag positiv und von Dankbarkeit erfüllt sein mögen.

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