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Sonntag, 12. November 2017

Der erste Schritt..

Eigentlich hatte ich für heute einen völlig anderen Beitrag vorbereitet. Ein ganz anderes Thema. Doch dann viel es mir wie Schuppen von den Augen. & ich erkannte, dass der wichtigste Beitrag im Grunde fehlt. Obwohl ich bereits 5 Texte veröffentlicht habe - habe ich ein Thema völlig aus den Augen verloren. & genau das möchte ich jetzt nachholen.


Dieser Blog - diese Texte. Das alles ist für dich. Weil ich hoffe, dass du durch einen Zufall hier landest und all diese Erfahrungen etc dir helfen können.
Dieser Blog - diese Texte. Das alles ist für Missbrauchsopfer. Für Frauen, denen etwas genommen wurde. Für all jene, die aus diesem tiefen Loch wieder raus wollen.
Dieser Blog - diese Texte. Das alles ist für mich. Weil ich es als meine ganz persönliche Aufgabe sehe zu helfen. & wenn ich am Ende einer Person geholfen habe. Dann war es das wert.

Ich möchte versuchen die kommenden Worte so klar wie möglich zu wählen. Die Wörter und Zeilen brauchen nicht zueinander passen. Nichts ist hübsch aufeinander abgestimmt.

& nun ganz frei heraus.

Das aller Wichtigste, was du tun MUSST !

So schwer es dir auch fallen mag. & Gott ich weiß wovon ich rede. Ganz gleich wieviel Furcht, Angst und vielleicht auch Scham in dir wohnen mögen. Wenn du diesen ersten Schritt nicht gehst dann wird dein Weg niemals beginnen. Dann wirst du so Leid es mir tut für alle Zeit in genau diesem Zustand in dem du dich jetzt befindest verweilen.

In diesem lähmendem Zustand.
Allein mit sich selbst, mit all diesen Gedanken & Gefühlen. Regungslos. Teilnahmslos und vor allem Machtlos.

Das aller Wichtigste, was du tun MUSST ! ist es jemandem zu erzählen.

Das mag für "Außenstehende" jetzt ganz leicht klingen. Das ist es aber nicht.
Ich selbst habe mich 1 Jahr nach dem letzten Vorfall das erste mal einer Freundin offenbart. & ich muss gestehen, dass das ein Fehler war. Ich sage das ganz offen, damit ihr nicht enttäuscht seid solltet ihr in eine ähnliche Situation kommen. Denn ja - euch könnte es so gehen wie mir. Das ihr dann da steht - ausgelacht und nicht ernst genommen werdet. Es kann passieren, dass euch "niemand" glaubt.
Im selben Atemzug möchte ich allerdings sagen, dass das nicht an euch liegt. Dass ihr euch davon nicht in irgendwelche Schranken weisen lassen dürft. In meinem Fall war besagte Freundin zb viel zu jung um das Ausmaß dessen was mir widerfahren ist greifen zu können. In meinem Fall ist es einfach doof gelaufen. So muss es dir aber nicht gehen.

Meinen zweiten Versuch wagte ich erst Jahre später. Um genau zu sein waren es ca. drei Jahre. Nebenbei erwähnt ließ ich natürlich viel zu viel Zeit verstreichen - doch mit gerade einmal fünfzehn Jahren sieht man das alles doch ein klein wenig anders.
Diesmal sah man mich an. War geschockt aber glaubt mir - jedes einzelne Wort.
So konnte ich einen Teil meiner Last loswerden.. doch darum geht es gar nicht. Denn trotz dessen, dass ich mit diesem Wissen nun nicht mehr "alleine" war - war es im Grunde noch immer die falsche Person der ich all das offenbarte.

Wieso? Weil es im Grunde noch immer ein Geheimnis war. Weil ich noch immer verstecken spielte. Gute Miene zum bösen Spiel. & das war es, was ich im Grunde gar nicht wollte.

Weitere eineinhalb Jahre später wandte ich mich nach einem emotionalen Zusammenbruch zum ersten mal an eine "professionelle Stelle".
Ich bin mir nicht sicher, ob ich es in meinen vorherigen Beiträgen schon einmal erwähnt habe aber ich persönlich spreche mich ganz klar gegen Therapien aus.  ( Dazu ein anderes mal mehr. )
& doch hat mir dieser Abend geholfen. Naja was heißt Abend. Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen. ( Und dabei ist es schon 6-7 Jahre her )

Ich hatte einen Termin bei einer Beratungsstelle für junge Missbrauchsopfer. 17 Uhr war die verabredete Zeit. Ich war sicher 20min zu früh da und ging noch mindestens drei mal die Straße auf und ab bevor ich mich wirklich traute zu klingeln und im Warteraum platz zu nehmen.

Ich möchte auf das folgende Gespräch etc. nicht eingehen. Ganz einfach, weil es nicht das Gespräch war, dass etwas in mir veränderte. Es war etwas anders. Das Gästebuch, dass im Warteraum auslag. Dieses Buch hat mit einem einzigen Eintrag mein gesamtes Denken verändert und dafür bin ich noch heute dankbar.

Was dort stand? Lest selbst...

" Der Größte Schutz des Opfers wird stets die Offenbarung des Täters sein."

So ein kurzer Satz. Zwölf Wörter die mein Leben verändern sollten.
Ich saß im Wartezimmer und sah meinen eigenen Fehler.
Ich saß kurze Zeit später im Gespräch und konnte nur an diesen einen Eintrag denken.
Ich war auf dem nachhause Weg und wusste - das ist die Lösung. Das sollte die Lösung sein.

Niemand wird dir helfen können. Niemand wird dich verstehen können. Und vor allem wird niemand auf dieser Welt dich schützen können wenn du nicht sagst was dir geschehen ist.

Es Aussprechen.
Denn sexuelle Gewalt ganz gleich gegenüber welchem Geschlecht sollte und darf kein Tabu Thema sein.

Beratungsstellen großer Städte:

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