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Sonntag, 29. Oktober 2017

Alles ist.

Wisst ihr - ich habe meine Geschichte schon oft erzählt. Familienmitgliedern, Freunden, Therapeuten, meinem Ehemann - für mich ist das keine große Sache mehr - und nein, ich muss dabei nicht einmal mehr weinen. Ich habe meinen Frieden damit gemacht. Habe abgeschlossen.
Trotzdem möchte ich euch einen kurzen Einblick gewähren.

Hallo, mein Name ist Kristin. Ich bin 26 Jahre alt. Mein Vater hat mich im Alter von ca. 2 Jahren verlassen. Er ging ins Ausland um zu studieren und schaute niemals zurück. Im Alter von 18 Jahren bekam ich 2 Briefe und begriff, dass ich diesem Mann nie am Herzen lag - & das obwohl ich seine leibliche Tochter bin. Mit 9 Jahren zogen wir über 300km weit weg. Ich verlor damit Tanten, Cousinen, Freunde und vor allem meine absolute Bezugsperson ( meine Oma ). Von meinem 9 bis zu meinem 14 Lebensjahr wurde ich sexuell missbraucht. Im Alter von 16 Jahren ( das wusste bisher kaum jemand ) habe ich 2x mal versucht mir das Leben zu nehmen. Bis auf meine Schwester habe ich zu keinem nahem Verwandtem Kontakt. Mein eigener Ehemann dem ich 8 Jahre lang täglich den Rücken gestärkt habe hat mich 2 Wochen nach der Geburt meiner Tochter verlassen.


Ein kurzer Einblick.

Nicht etwa im Mitleid zu erwecken. Ok, vielleicht schon - aber aus einem ganz speziellem Grund. Nehmen wir einmal an, dass du ein sehr emphatischer Mensch bist. Damit rechne ich, denn du bist auf dieser Seite gelandet. Wenn du dies also bist gehe ich davon aus, das du so etwas wie Mitleid mit mir hast. Ich tue dir Leid und du denkst.

" Oh man - die Arme, dagegen ist die Trennung von meinem Freund ja gar nichts."
" Wieso beschwere ich mich überhaupt? Ihr muss es furchtbar gehen - ich werde lediglich gemobbt."
" Wie muss sich das anfühlen? Das ist viel schlimmer, als die Tatsache, dass meine Mutter mich schlägt."

Ungefähr so oder vielleicht auch ganz anders werden deine Gedanken jetzt sein. Und genau diese Gedanken sind es um die sich mein heutiger Beitrag drehen soll.
Heute möchte ich dir ein Gesetz beibringen naja sagen wir eher ich möchte es dir nahelegen.

Es handelt sich um das das Gesetz der Relativität.
& nein du brauchst jetzt nicht googeln. Das ganze hat relativ wenig bis gar nichts mit dem guten Herrn Albert Einstein zu tun - hierbei geht es eher um etwas Spirituelles.

Das Gesetz der Relativität besagt, dass alles ist.
Nichts ist gut oder schlecht.
Sondern alles ist.

Es ist also nicht schlecht, dass mir all dies zugestoßen ist.
Natürlich hätte ich es mir anders gewünscht aber es ist nicht schlecht.
Es ist einfach so.

Ich erkläre:

Gehen wir einmal davon aus, dass du zu Schulzeiten 2 Jahre gemobbt wurdest - einmal war es sogar so schlimm, dass du verprügelt wurdest.
Wenn man diese Situation nun mit der meinen vergleicht würde man behaupten, dass es nicht so schlimm sei und ich um einiges mehr gelitten habe.

Was aber, wenn sich deine Geschichte nun jemand anhören würde, dem noch nie etwas "schlimmes" widerfahren ist? Für ihn wäre auch deine Geschichte grauenvoll und er hätte großes Mitleid mit dir.

& was wäre, wenn ein Kind, welches aus seinem Land flüchten musste meine Geschichte hört? Ein Kind, welches seine Eltern auf diesem Weg verlor und nun völlig alleine auf dieser Welt ist?
Richtig - es würde denken, dass meine Probleme nicht groß wären - denn ihm geht es ja "schlechter"

Ich hoffe, dass du verstehst worauf ich hinaus möchte.

Dieses "dir muss es ja viel schlechter gehen als mir" gibt es nicht. Denn laut dem Gesetz der Relativität IST alles. Nichts ist böse und nichts ist gut. Es ist wie es ist.

Ich weiß, dass du auf dieser Seite bist, weil du nach etwas suchst. Nach Inspiration, einem Anstoß oder sogar nach Antworten. Ich kann dir manches davon vielleicht geben aber mit Sicherheit nicht alles. Doch eine Aussage - die möchte ich heute kund geben.

" Gang gleich wie schlecht es dir geht. Was dich gerade bedrückt. Was immer es sein mag. Es ist. Und vor allem ist es aushaltbar. Denn ich gehe davon aus, dass du gerade nicht im Krieg bist. Du schließt nicht die Augen mit der ständigen Angst sie nie wieder öffnen zu können. Du verlässt das Haus und kannst dir sicher sein, dass es noch stehen wird wenn du wieder kommst. Du siehst deinen Eltern in die Augen - nicht zum letzten mal kurz bevor sie erschossen werden. Jedes einzelne Problem ist wichtig. Doch keines ist schlimm. Keines Unüberwindbar. Alles ist. & wir können aus allem etwas machen."

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