Damit, dass du (das ihr) es jemanden sagen musst (müsst).
Was da passiert ist. Was dir passiert ist. Was dir angetan wurde.
Genauso began es auch bei mir.
Ich hatte es jemandem anvertraut. Nicht irgendjemandem. Sondern meinem Ehemann. ( An dieser Stelle sei gesagt - ganz gleich wie blöd ich dich ab und an auch finden mag und ganz gleich wie sich dieses Leben noch entwickeln wird - ich werde dir auf ewig dankbar sein. ) Ich habe es ihm anvertraut. & ja natürlich war er für mich da. Trotzdem muss ich euch sagen er war die falsche Person.
Du kannst natürlich damit beginnen dich jemandem zu öffnen, der dir wichtig ist. Dir etwas bedeutet. Jemanden dem du dich Nahe fühlst. Vertrauen ist hier das A und O. Aber bitte sei dir einer Tatsache bewusst. Es wird diese Person überfordern. Sie wird für dich da sein. Dir beistehen. Manchmal ist eine Umarmung das Wertvollste was es gibt ABER es wird diese Person überfordern. Es wird diesen Menschen schwächen. Sie fühlt mit dir und jeh nachdem in welchem Verhältnis ihr zueinander steht wird sie verletzt sein. Verletzt, wütend und so vieles mehr. Das alles bedeutet nicht, dass du dich deiner Mutter, Schwester oder deinem Freund nicht anvertrauen sollst. Ich möchte dir nur klipp und klar sagen, dass es auch ihn (sie) treffen wird. Auch sie (er) wird nicht wissen was er sagen oder tun soll.
Nachdem ich ihm einen Bruchteil dessen was mir zugestoßen ist erzählte ( bitte macht nicht den Fehler zb eurem Partner jedes Detail in den Kopf zu legen. Solche Worte verschwinden nicht wieder und mein Mann weiß bis heute nicht was damals ganz genau geschah - & das ist auch gut so ) verschwand das Thema erstmal wieder. Ich wollte nicht darüber reden. Fühlte mich unverstanden und allein gelassen. ( Ich war nie allein. ) Aber genau so fühlte es sich an. Ganz einfach, weil auch er nicht wusste was zu tun war. Wie er mir helfen konnte. Wie er auf mich eingehen sollte. Was ich in diesem Moment wirklich brauchte - das konnte er nicht wissen - und das ist ok. Denn das wusste nicht einmal ich selbst.
Ca. 2 Jahre später erlitt ich innerlich einen Zusammenbruch. Dafür gab es keinen Auslöser. Das trat nicht nach außen durch. Aber ich fühlte mich leer. Da war ein Loch in meinem Herzen und nichts auf dieser Welt vermag es zu füllen. Nicht ich. Nicht er. Nicht meine geliebte Schwester - nicht all die Menschen die mir Nahe standen. Nichts und niemand.
Gott sei dank wurde mir eines Morgens bewusst, dass es noch jemanden gibt an den ich mich wenden konnte. Jemand der mir fremd war und doch sehr Nahe stand. Meine Religionslehrerin während der Berufsschulzeit. Das mag sich für den ein oder anderen jetzt merkwürdig anhören - aber mich an sie zu wenden war so ziemlich die beste Entscheidung die ich damals treffen konnte.
Kurzfassung: Ich ging in einer Pause in ihr Büro. Sprach mit ihr. Brach in Tränen aus und bekam mehr Unterstützung - ich bekam mehr als erwartet - soviel mehr.
Ca. eine Woche später bekam ich meinen ersten Termin in einer Beratungsstelle für junge Frauen die Opfer sexueller Gewalt wurden. Davon habe ich schon einmal berichtet. Davon, dass mir dieser Abend an sich nicht half. Ein ganz besonderer Gästebuch Eintrag es allerdings tat.
" Der Größte Schutz des Opfers wird stets die Offenbarung des Täters sein."
Im Anschluss war ich allerdings noch immer nicht schlauer als vorher. Im Anschluss fühlte ich mich immer noch leer. Missverstanden. Wütend. Im Anschluss wendete ich mich an meinen Hausarzt und genau hier tritt für mich der erste wirklich große Fehler im System auf.
" Frau König wir können Ihnen Stellen vermitteln an die sie sich wenden können - Kontakte die sie anrufen können um einen Therapieplatz zu bekommen."
Wenn ihr mich fragt ( leider ist dies der gängige Weg ) ist dies mehr als fahrlässig. Denn mir persönlich fiel es mehr als schwer. Mir zitterten die Hände und stockte der Atem beim Gedanken daran, dass ich selbst einen Termin machen musste. Ich selbst schon einmal am Telefon kurz preisgeben musste was mir fehlt. Wobei mir das zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal klar war - ich war eine Meisterin darin meine Kindheit zu verdängen. Was sollte ich sagen. Ich hatte Angst. Ich war wütend. Und das schlimmste war - ich rief nicht an.
An dieser Stelle ein großes Danke an meinen Mann sowie meine Religionslehrerin - die alles in die Hand genommen haben. Danke, dass ihr immer wieder nachgefragt habt. Nachgebohrt habt. Niemals locker gelassen habt. Mir das "mir geht es gut" nie abgekauft habt. Und letztendlich das tatet, wozu ich definitiv nicht in der Lage war - mir einen Therapieplatz zu organisieren.
Die Gesprächstherapie
Meine Therapeutin war der Wahnsinn. Jung, dynamisch und auf den ersten und auch zweiten Blick ein absolutes Vorbild. Ich muss sagen rückblickend war sie zusammen mit einer anderen Dame die beste Therapeutin bei der ich jeh war. ( Was insgesamt bei fünf verschiedenen ausgebildeten Psychologinnen - den Klinikaufenthalt ausgenommen ) Wir redeten. Logisch was tut man auch sonst bei einer Gesprächstherapie.
Das alles ist schon eine ganze Weile her - ich versuche aber den Ablauf so gut wie möglich wieder zu geben.
Sie sagte mir, dass es normalerweise so sei, dass ich nun erzählen "müsste"... & schon fing ich wieder an zu zittern. Ich hatte keine Ahnung wo ich anfangen sollte. Was ich sagen sollte. Ich blickte mit Sicherheit erst einmal zehn Minuten lang abwechselnd aus dem Fenster, an die Wand, auf den Boden. Bis ich es einfach aussprach. "Ich kann das nicht." Ich weiß noch genau mit welch verwirrtem Blick sie mich ansah. "Ich kann nicht einfach drauf los reden. Bitte. Bitte stellen sie mir fragen. & ich antworte - auf alles." Sie war anfangs nicht begeistert - meine Bitte verstieß ganz offenbar gegen den Leitfaden aus irgend einem Lehrbuch - doch sie merkte schnell, dass es anders nicht funktionieren würde. Also fragte sie. 90min lang. Und ich antwortete. Ich weinte und schluchzte aber ich antwortete auf jede einzelne Frage. Im Anschluss bekam ich einen Therapieplan. 3x mal die Woche 90min. Ich bekam einen Zettel für die Krankenkasse und eine Krankschreibung für einen Monat ( zu dem Thema werde ich euch später nochmal etwas erzählen ) & so waren sie vorbei. Die ersten 90min.
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